Wer erfand die verschiedenen Schnitte für Unterwäsche?

Die Ursprünge der Wäsche – deswegen trägst du heute etwas untendrunter

Unterwäsche war eine lange Zeit nur der Oberschicht vorbehalten. Das häufige Waschen und die daraus resultierenden Kosten machten Unterwäsche für gewöhnliche Bürger zu einem unerschwinglichen Luxusprodukt. Während Frauen früher einmal unbequeme und sogar gesundheitsschädliche Korsetts trugen, hatten die Männer meistens "nichts drunter".

In der Antike finden sich Nachweise über Frauenunterwäsche, die aber wahrscheinlich nicht im Alltag getragen wurde. Der bekannte Lendenschurz wurde in anderen Kulturen verwendet, nicht jedoch im europäischen Raum. Erst im Mittelalter gab es dann Entwürfe, die an die heutige Männerunterhose erinnern, allerdings wird vermutet, dass diese ebenfalls nicht regelmäßig getragen wurden. Eine weitaus verbreitetere Variante war die folgende: Männer trugen ein verlängertes Hemd, welches Sie zwischen den Beinen hindurchführten und zusammenknoteten.

Der Grund, warum sich die Art der Leibwäsche änderte, war weder der Bequemlichkeit geschuldet noch der Mode. Es war eine bahnbrechende Entdeckung, die der ganz neuen Idee von Hygiene einen Aufschwung verpasste: Bakterien und Viren. Desinfektion und Reinlichkeit führte dann auch zu einer allmählichen Veränderung der Unterhose. Doch noch bis in die 60er Jahre galt trotzdem das Motto: „eine Woche – eine Unterhose“.

Der Prototyp unser heutigen Unterhose

Das erste Unternehmen, welches Unterhosen so herstellte, wie du sie heute kennst, war die US-amerikanische Wäschefirma Cooper Inc. Vor über 80 Jahren erfand der deutschstämmige Textilingenieur Arthur Kneibler sozusagen die Ur-Unterhose „JOCKEY BRIEF“. Auch heutzutage gilt dieses Modell als Basis für alle folgenden Unterhosen, es wurde unzählige Male kopiert oder als Inspiration für folgende Schnitte genutzt. Kneibler selbst bezog seine Inspiration aus Europa. Nach einer Reise nach Südfrankreich veranlasste ihn die Badehosenmode der Côte d’Azur dazu, etwas Gewagteres zu entwickeln.

Ein weiterer Schritt, der die Entwicklung der einfach zu wechselnden Unterhose vorantrieb, war die Erfindung synthetischen Gummis. Das auch heute noch genutzte dehnbare Gummiband, welches für den nötigen Halt an der Hüfte sorgt, veranlasste viele Männer dazu, sich diese Unterhose zuzulegen. Bequemlichkeit setzt sich eben durch, das lästige Scheuern der vorher genutzten Zweckkonstruktionen fand ein Ende.

Der Slip: Sex-Appeal und Komfort

Die „JOCKEY BRIEF“-Unterhose brachte noch eine weitere Neuerung mit sich. Denn der innovative Schnitt kam erstmals ohne einen Beinröhrenansatz aus - der erste Slip war geboren! Davor entstanden durch Beinlinge oft unangenehme Schwülste an den Hosenbeinen, die sich in engeren Hosen unschön abzeichneten. Nun fingen die Männer an, in Unterwäsche zu posieren – auch wenn das im biederen Amerika der 50er Jahre bei weiten Kreisen nicht auf Zuspruch traf. Bei der ersten Modenschau für Unterwäsche wurde ein Brautpaar gezeigt, welches sich mit Zylinder und Stock präsentierte, über der Wäsche allerdings nur eine Cellophan-Folie trug. Für die damalige Zeit war diese Werbung einen Aufschrei wert, und beeinflusste den Sex-Appeal, den Slips und Pants heute haben.

Ein Teil des Slips, den du heute nur noch selten vorfindest, ist der Eingriff, welcher vorne eingenäht ist. Auch die ursprüngliche JOCKEY BRIEF besaß diese Konstruktion und sollte dem Träger den Austritt erleichtern. Heutzutage weis Mann: Das Herunterziehen des Hosenbundes ist die weitaus einfachere und häufiger praktischere Variante. Warum einige Unterhosen immer noch den Schlitz haben, hat möglicherweise einen einfachen Grund: Geschätzt über 70 Prozent aller Männerunterhosen werden von Frauen gekauft. Ob Ehepartner, Mütter oder Freundinnen – bei der Auswahl setzen die UnterwäschekäuferInnen oft auf Design statt auf Funktion.

Das unsichtbare Unterhemd

Die Bezeichnung Unterhemd stand nicht immer für das heutige Shirt, welches du unter dein Hemd ziehst. Früher war damit der untere Teil des Hemdes gemeint. Das was du heute als Unterhemd kennst ist das damalige Niederhemd. Der Prototyp des antiken Unterhemds sah allerdings ganz anders aus als der heute. Es bedeckte den gesamten Körper inklusive Armen und Beinen. Es wurde nicht nur unter der Kleidung getragen, sondern diente auch im Bett als Schlafanzug.

Im vergangenen Jahrhundert erschien erst das Unterhemd in der Art, wie du es heute zu schätzen weißt. Zu Anfang war dies genau das, was du heute als T-Shirt kennst – und es wurde niemals ohne Oberhemd getragen. In einem nächsten Schritt kam das Knüpftrikot, für welches der Hersteller sogar auf der Weltausstellung in Paris prämiert wurde. Die 50er Jahre brachten dann weitere Neuerungen mit der Entwicklung von Unterhemden im heutigen Schnitt in Fein- und Doppelripp.

Weiß, die Farbe der Reinheit – aus einem guten Grund

Die klassische Unterwäsche-Farbe ist Weiß, das steht fest. Doch das hat weniger modische Gründe als praktische. Es gab und gibt viele Faktoren, die die Farbe Weiß einfach am besten geeignet machen: 

  • Weiße Kleidung hielt den früheren aggressiven chemischen Reinigungsprozessen am besten stand. Chlorlauge konnte genutzt werden, um auch unter hartnäckigem Schrubben Dreck zu entfernen. Bei gefärbtem Stoff war dies nicht möglich. 
  • Das Wechseln der Unterwäsche konnte früher nicht so oft erfolgen wie heute. Eine blanke weiße Kleidung galt also als Statussymbol und als Zeichen der Reinheit. 
  • Die Farbe Weiß galt lange als Luxus, da der Stoff aufwendig gebleicht werden musste, um die gewünschte Farbe zu erhalten. 

Mit der Einführung von Waschmaschinen und weniger aggressivem Waschmittel fand langsam ein Wechsel statt. Unterwäsche konnte auch andere Farben haben und regelmäßiger gewechselt werden.

Viele Schritte zur perfekten Passform

Es war es ein langer Weg bis zu der ideal sitzenden Unterhose von heute, die sowohl bequem als auch ansehnlich ist. Heute kannst du deinen persönlichen Favoriten aus einer großen Auswahl wählen und deinen persönlichen Unterwäsche-Stil verfolgen. Enge Slips, sportliche Pants oder bequeme Boxershorts bieten nur die Grundschnitte aus einer großen Palette an Möglichkeiten. So findest du heute den idealen Begleiter für untendrunter, ohne Kompromisse machen zu müssen.


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